Entspannter durch den Familienalltag: Tipps für berufstätige Eltern, wie die Familienorganisation leichter gelingt.

Die Corona-Zeit hat für viele Familien einen Stresstest bedeutet. Insbesondere die Mütter schulterten die zusätzlichen Belastungen wie Homeschooling oder Kinderbetreuung. Das Prinzip „Eltern als Team“ ist stärker gefragt als zuvor. Deswegen spreche ich mit Christian Eineder darüber, wie berufstätigen Eltern die Familienorganisation leichter gelingt. Er ist seit über 20 Jahren glücklich verheiratet und Papa von zwei Teenagern. Beruflich engagiert er sich dafür, dass Organisationen und Familien selbstwirksamer werden, damit viel mehr Zeit und Energie für die wichtigen Dinge bleibt. Mit easyfaM (kurz für Easy Family Management) hilft er berufstätigen Eltern dabei, eine harmonische, selbständig organisierte Familie zu schaffen, damit die vielen Drängeleien aufhören, sie viel mehr Zeit und Gelassenheit haben und stolz auf ihre selbständigen, sich gut entwickelnden Kinder sein können. Auf easyfaM.com finden Eltern ein jederzeit abrufbares Online-Elterntraining, um mit bewährten Methoden kritischen Situationen im Familienalltag zu meistern und dadurch ein guter Coach für die Kinder zu sein. Zudem helfen 3 spielerische Familienboards, neue Routinen im Alltag zu etablieren.

Christian, die organisatorische Verantwortung rund um die Familie liegt trotz sich wandelnder Rollenbilder verstärkt bei den Müttern. Diese Ungleichverteilung führt bei Frauen zu einem höheren Mental Load. Wie kann es aus deiner Sicht gelingen, dass Aufgaben rund um das Familienleben fairer verteilt werden?

Christian: Ganz einfach: Aufgaben nicht verteilen, sondern FAIR teilen 😊

Dahinter stehen die Prinzipien der harmonisch selbständigen Familienorganisation. Die müssen berufstätige Eltern heute unbedingt kennen, um nach wie vor ein gutes, partnerschaftliches Leben führen zu können. Zunächst sollten wir uns bewusst machen, dass die Elternbeziehung als Kern der Familie besonders schützenswert ist. Zum Wohl der Kinder, aber auch zum Wohl beider Eltern. Hierfür kann jeder recht einfach die Voraussetzungen schaffen.

Lass uns hier mal konkret werden: Wie teilt man denn die Familienaufgaben fair?

Christian: Die Familienaufgaben sollten nicht als Aufgabenvorrat und Checkliste im Kopf eines Elternteils sein, weil das Dauerstress bringt. Vielmehr bieten wir die wiederkehrenden Familien- und Haushaltsaufgaben als Aufgabenvorrat allen Familienmitgliedern jederzeit sichtbar an. Dann kann auf die verbleibenden Aufgaben zugreifen, wer gerade Zeit und Lust hat. So erledigt sich Vieles wie von selbst. Damit alles (!) erledigt wird braucht es ein paar Anreize:

  1. Begrenzung auf eine Woche, bis alles erledigt ist: wenn alle wissen, dass jeder wöchentlich bis Samstagabend 3 Aufgaben zu erledigen hat, dann ist das auch für Kinder ein realistisches Ziel und selbst für Jugendliche akzeptabel.
  2. Verknappung: Wenn im Aufgabenvorrat immer weniger Aufgaben vorhanden sein werden, dann kümmert man sich i.d.R. frühzeitig. Denn keiner hat Lust auf die doofen Aufgaben. Daher sind 80% der Aufgaben meist früh und geräuschlos erledigt. Wer trödelt, der muss mehr leisten und wird sich nächste Woche früher kümmern.
  3. Transparenz: Wenn jeder sehen kann, was die Anderen bereits erledigt haben, dann motiviert es mich, aufzuholen … oder noch besser, mehr als die anderen erledigt zu haben und ein Lob abzuholen.
  4. Selbständigkeit: Kinder lieben es, etwas selbständig zu erledigen. Die selbständige Auswahl der Aufgabe motiviert besonders, gekoppelt mit der selbständigen Entscheidung, sie früh und frei auswählen zu können oder spät zu erledigen, was im Aufgabenvorrat übrig ist. Das schult auch die Selbstregulation.
  5. Jeder hat Rechte, aber auch Pflichten in diesem Haushalt: Insbesondere in der Pubertät muss das manchmal geklärt werden. Dann bietet es sich an, die Erledigung der Familienaufgaben an Dinge zu koppeln, die den Kindern eh‘ wichtig sind und die sanft geregelt sein müssen. Wer z.B. sein Wochensoll erledigt hat, der erhält seine Medienzeit für die kommende Woche zur freien Einteilung. So lernen die Kinder zugleich selbständiger zu werden und ihre Medienzeit selbst zu regulieren.
  6. Arbeit sichtbar machen: Ist es nicht ärgerlich, dass die viele Arbeit zuhause oft nicht gesehen geschweige denn wertgeschätzt wird? Auch das geht mit spielerischen Visualisierungen besser.

Mit dem easyfaM Taskboard wird die erledigte Arbeit endlich sichtbar. Es setzt alle zuvor beschriebenen Anreize und bezieht spielerisch alle Familienmitglieder ein.

Und wer seine Kinder hin und wieder dabei ‚erwischt‘, wie sie selbständig eine Aufgabe erledigen und sie dann lobt, der wird dieses Verhalten ein Leben lang genießen können. 

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Mal ganz allgemein gefragt: Welche Herausforderungen müssen Eltern in der heutigen Gesellschaft organisieren können?

Christian: Ganz klar, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen, so dass wir Eltern gesund bleiben, die Kinder sich gut zu selbständigen Persönlichkeiten entwickeln und die Beziehungen in der Familie wachsen, statt unter dem Stress und Chaos zu leiden.

In jedem Beruf gibt es intensive, schnelle, aber auch weniger intensive Phasen. Diese Zyklen treffen mal den einen und mal den anderen Elternteil. Eine Elternbeziehung sollte atmen, indem sich die Partner in den Intensivphasen jeweils den Rücken freihalten. Diese Partnerschaftlichkeit stabilisiert sie langfristig, weil sich beide Partner auch beruflich entwickeln können. Es zahlt sich später enorm aus, wenn die Kinder größer werden und ihre Eltern viel weniger brauchen.

Der Einfluss des Internets und Smartphones: Beides kann wertvolle Lebens- und Familienzeit rauben. Viel wichtiger scheint mir, was der begnadete Jesper Juul einst dazu sagte: „Die Kinder machen nicht was wir sagen, sondern das was wir tun“.

Wir sollten uns also stets der Vorbildfunktion für die Kinder bewusst sein, also z.B. das Handy in Gegenwart der Kinder kaum zu verwenden und ganz klar vermitteln, dass mein Kind ein Vielfaches wichtiger ist.

Viele Eltern sind zudem verunsichert (und manche zu sorglos), was die Kinder am PC/Tablet/Handy machen. Daraus entstehen oft ein wachsendes Misstrauen und Kontrollbedürfnis. Es reicht meist aus, die Geräte im Haushalt passwortgesichert aufzubewahren, Kinderschutzfilter zu aktivieren und die Medienzeit gemeinsam zu vereinbaren und einigermaßen nachzuhalten.

Das Familienleben wird für Eltern spürbar komplexer beim 2. und 3. Kind, beim Schuleintritt und -übertritt, beim erneuten Berufseinstieg oder Aufstocken der Wochenarbeitszeit eines Elternteils. Um sich hierauf gut vorzubereiten nutzen viele Eltern das Online-Elterntraining von easyfaM.

Trotz der üblichen Turbulenzen im Familienleben sollten wir den Kindern vorleben, wie Beziehungen gelebt und gepflegt werden, wie wir achtsam miteinander umgehen, wie wir uns um Freundschaften und uns selbst kümmern, und wie wir Konflikte respektvoll lösen können. Denn sie werden es uns nachmachen.

Die Organisation in der Familie ist die eine Seite. Auf der anderen Seite brauchen berufstätige Eltern auch Arbeitgeber, die Ihnen Vereinbarkeitsangebote machen können. Auf dem Papier stellen sich viele Arbeitgeber als familienfreundlich dar. Auf was sollten berufstätige Mütter und Väter achten, wenn sie einen familienfreundlichen Arbeitgeber finden möchten?

Christian: Die Größe des Arbeitgebers spielt dabei keine wesentliche Rolle, sondern vor allem der Wille des Arbeitgebers und wie die Führungskräfte Familienfreundlichkeit im Alltag leben.

Familienfreundlichkeit lohnt sich auch finanziell für den Arbeitgeber. Dennoch hat bei manchen immer noch die Ausbeutung der Mitarbeiter:Innen oberste Priorität, meist aus Unwissenheit. Jeder sollte mithelfen, auch diese Arbeitgeber ans Licht zu führen. Falls man kein Gehör findet, so hat man es zumindest versucht und kann ohne Reue den Arbeitgeber wechseln. Gute Arbeitgeber unterstützen uns Eltern dabei, dass wir Familie und Beruf unter einen Hut kriegen. Weil sie wissen, dass wir sonst wechseln, krank werden oder bald in Trennung leben. Das kann teuer für den Arbeitgeber sein.  

Ich würde auf die folgenden wesentlichen Merkmale der Familienfreundlichkeit achten:

  1. Werden flexible Arbeitszeitmodelle (in Ort und Zeit) angeboten
  2. Gibt es eine gute Vertrauenskultur, so dass
    • auf Augenhöhe kommuniziert, wertschätzend umgegangen wird,
    • ich auf Verständnis für Familienanliegen treffe (und ich das an anderer Stelle spürbar zurückgebe),
    • ich meinem Chef oder meiner Chefin freudig erzählen könnte, dass ich schwanger bin,
    • wir im Team offen besprechen können, wie wir einen familienbedingten Teilzeitwunsch oder kurzfristigen Ausfall eines Kollegen auffangen,
    • auch Väter problemlos in Elternzeit gehen können, ohne Nachteile?
  3. Gibt es Unterstützungsangebote bzw. eine Familienentlastung für zuhause, wie z.B. das easyfaM Eltern- und Familienprogramm für Arbeitgeber, um Mitarbeiter:Innen den Rücken frei zu halten?
  4. Ein deutliches Kennzeichen einer guten Vertrauens- und Führungskultur mit gelebter Familienfreundlichkeit ist das sogenannte Top Sharing, das heißt zwei Teilzeitkräfte teilen sich eine Führungsposition. Gibt es ein oder mehrere Führungstandems, so ist dies in der Regel der beste Nachweis, dass nicht misstrauisch die reine Präsenzarbeitszeit zählt, sondern eigenverantwortliches, ergebnisorientiertes Arbeiten wertgeschätzt wird.

Wechseln wir mal die Perspektive und betrachten Vereinbarkeit aus Sicht des Arbeitgebers: Welchen betrieblichen Nutzen haben Unternehmen davon, wenn sie ihren Mitarbeiter:Innen Vereinbarkeitsangebote unterbreiten?

Christian: Eine buchfüllende Frage…, daher grenze ich die Antwort eng ein.

Der Fachkräftemangel wäre ohne berufstätige Eltern unerträglich. Daher erschließen sich Arbeitgeber ein zusätzliches Potenzial – erst recht, wenn sie nicht ausschließlich auf Vollzeitkräfte setzen. Hat nun ein Kollege mit seinem Kind um 11 Uhr einen Kinderarzttermin und 20km einfachen Arbeitsweg, so muss er bei Präsenzpflicht meist Urlaub nehmen, während er im Homeoffice lediglich kurz die Arbeit unterbricht. Wer Ort und Zeit flexibilisiert spart den Mitarbeiter:innen ca. 4,5 Stunden durchschnittliche Fahrzeit, von der ein Teil sicher als Mehrleistung in der Organisation ankommt. Die Flexibilisierung erfordert ein positives Grundvertrauen untereinander. Ja, Führungskräfte müssen es wagen, zuerst zu vertrauen und durchzuhalten. Sie werden überproportional belohnt werden. Ohne Frage bewerben sich bei familienfreundlichen Arbeitgebern wesentlich mehr und besser qualifizierte Talente, weil sie die Professionalität, das eigenständige Arbeiten sowie das gegenseitige Vertrauen schätzen. Keine Personalentwicklungsmaßnahme wird diesen Qualitätsnachteil bei der Auswahl an Bewerbern je wieder aufholen.

Vielen Dank an Christian Eineder für die aufschlussreichen Antworten!

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